Wir sagen es direkt vorweg: Wir stellen vegane Schuhe her. Wir verwenden alternative Materialien anstelle von tierischem Leder. Wenn wir also einen Artikel schreiben, der veganes Leder mit echtem Leder vergleicht, sind wir nicht neutral. Wir haben eine Position — und wir profitieren davon, wenn du dich für unsere Seite entscheidest.
Wir finden, du solltest das wissen, bevor du auch nur ein Wort liest.
Vor diesem Hintergrund — hier ist der ehrlichste Vergleich, den wir dir geben können.
Zuerst: eine kleine rechtliche Kontroverse, die du kennen solltest
Hier in Portugal — wo NAE seit 2008 Schuhe herstellt — hat die Regierung kürzlich ein Gesetz verabschiedet, das den Begriff „veganes Leder“ verbietet. Das portugiesische Lederdekret definiert, was Leder ist und wie der Begriff kommerziell verwendet werden darf. Nach den neuen Regeln sind Begriffe wie veganes Leder, synthetisches Leder oder Ananasleder untersagt und können mit Geldstrafen belegt werden.
Portugal ist nicht das erste Land. Belgien, Frankreich, Italien und Spanien haben ähnliche Schritte unternommen, wobei Transparenz für Verbraucher als Hauptgrund genannt wird. Gleichzeitig scheint die portugiesische Regierung auch unter Druck zu stehen, die traditionelle Lederindustrie des Landes vor dem Wachstum nachhaltiger Alternativen zu schützen.
Wir verwenden den Begriff „veganes Leder“ in diesem Artikel trotzdem — weil wir glauben, dass du genau weißt, was damit gemeint ist. Wie ein Branchenbeobachter sagte: „Ich glaube nicht, dass irgendjemand bei ‚veganem Leder‘ denkt, es sei aus Tierhaut gemacht.“ Wir sind nicht hier, um zu täuschen. Wir sind hier, um zu informieren.
Die Ironie entgeht uns nicht, dass wir — eine portugiesische Marke — diesen Artikel entgegen eines portugiesischen Gesetzes schreiben, während wir in unserem Atelier in Lissabon sitzen.
Was ist echtes Leder wirklich?
Echtes Leder wird aus Tierhäuten hergestellt — meist von Rindern, aber auch von Schweinen, Schafen, Ziegen und zunehmend exotischen Tieren. Der Prozess beginnt im Schlachthof und endet in der Gerberei.
Die Industrie stellt Leder oft als Nebenprodukt dar — als sinnvolle Nutzung dessen, was sonst aus der Fleischproduktion übrig bleiben würde. Daran ist etwas Wahres. Aber Leder ist kein wertloses Nebenprodukt. Es ist ein wertvolles Koppelprodukt. Weltweit macht Leder bis zu 26 % der Einnahmen großer Schlachthöfe aus. Das bedeutet: Leder folgt nicht nur der Fleischproduktion — es finanziert sie aktiv mit.
Die ökologische Realität von echtem Leder
Wir möchten hier bewusst vermeiden, nur Statistiken auszuwählen, die unsere Position unterstützen. Deshalb greifen wir auf mehrere unabhängige Quellen zurück, darunter die Europäische Kommission, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen sowie wissenschaftliche Lebenszyklusanalysen.
Das Gesamtbild ist deutlich.
Die Viehwirtschaft verursacht 14,5 % der globalen Treibhausgasemissionen, wobei die Rinderhaltung 62 % davon ausmacht. Da Leder ein Koppelprodukt dieser Industrie ist, trägt es direkt zu diesen Emissionen bei.
Auch der Wasserverbrauch ist erheblich. Für eine typische Ledertasche aus Rindsleder werden 17.127,8 Liter Wasser benötigt — das entspricht der Trinkwassermenge eines Menschen über 23 Jahre.
Hinzu kommt der Gerbprozess selbst. Ein Bericht im Auftrag der Europäischen Kommission zeigt, dass für 1 kg Leder bis zu 2,5 kg Chemikalien und bis zu 250 Liter Wasser benötigt werden, während bis zu 6,1 kg feste Abfälle entstehen. Insgesamt kommen bis zu 170 verschiedene Chemikalien zum Einsatz — darunter Chrom, Formaldehyd und Arsen — mit erheblichen Umweltauswirkungen.
Und schließlich die Entwaldung: Die Rinderzucht, teilweise angetrieben durch die Nachfrage nach Leder, ist für 80 % der Abholzung im Amazonasgebiet verantwortlich.
Die Lederindustrie kennt diese Zahlen und arbeitet an Verbesserungen — sauberere Prozesse, besseres Abfallmanagement, verantwortungsvollere Beschaffung. Das erkennen wir an. Aber die Dimension des Problems ist real und dokumentiert.
Was ist veganes Leder?
Hier wird die Sache komplexer — und hier müssen wir ehrlich über die Grenzen unserer eigenen Position sprechen.
„Veganes Leder“ ist kein einheitliches Material. Es ist eine Kategorie mit sehr unterschiedlichen Materialien und Umweltprofilen.
Am einen Ende stehen pflanzenbasierte Materialien: Kork, Apfelreste, Ananasfasern (Piñatex), Kaktus, Pilzmyzel. Diese sind oft tatsächlich umweltfreundlich, biologisch abbaubar und innovativ. Bei NAE verwenden wir Materialien wie Ecopure Mikrofaserleder mit 25 % recyceltem Anteil — entwickelt als echte Alternative zu Leder ohne tierische oder ökologische Belastung.
Am anderen Ende stehen synthetische Materialien wie Polyurethan (PU) oder Polyvinylchlorid (PVC). Diese basieren auf Erdöl, sind schwer abbaubar und können Mikroplastik freisetzen. Sie haben eigene Umweltprobleme — einfach andere.
Bei NAE verwenden wir kein PVC. Niemals. Diese Entscheidung haben wir bewusst getroffen, da bei der Herstellung giftige Chemikalien wie Dioxine entstehen und das Material schwer recycelbar ist. Es gehört zu den problematischsten Kunststoffen überhaupt.
Leder aus Tierhaut hat nahezu dreimal so hohe Umweltauswirkungen wie synthetische Alternativen. Aber „weniger schlecht“ bedeutet nicht „gut“. Die ehrliche Position ist: Synthetische vegane Materialien schneiden in vielen Kategorien besser ab als Leder — sind aber keine perfekte Lösung.
Besonders spannend sind pflanzenbasierte Innovationen. Kaktusleder von Desserto hat einen bis zu 1.647 % geringeren Wasserverbrauch als Rindsleder. MIRUM wird nahezu ohne zusätzlichen Wasserverbrauch hergestellt. Diese Materialien treiben die Branche voran.
Haltbarkeit: die Frage, die alle stellen
Echtes Leder ist bei guter Verarbeitung und Pflege extrem langlebig. Das ist eine seiner echten Stärken.
Veganes Leder war früher weniger haltbar — ältere Materialien konnten reißen oder sich ablösen. Diese Kritik ist berechtigt, besonders bei günstigen Produkten.
Aber Haltbarkeit hängt nicht nur vom Material ab. Entscheidend sind Verarbeitung und Materialqualität. Ein gut gefertigter Schuh hält — unabhängig davon, ob er aus Leder oder einer Alternative besteht.
Die Materialien, die wir bei NAE verwenden — darunter Ecopure Mikrofaserleder — sind gezielt auf Langlebigkeit ausgelegt. Sie werden getestet, um jahrelanger Nutzung standzuhalten. Unsere Kundinnen und Kunden tragen ihre Schuhe über Jahre, nicht nur eine Saison.
Tierschutz: der wichtigste Punkt für uns
Wir haben NAE 2008 gegründet, weil wir überzeugt waren, dass Schuhe kein Tierleid verursachen müssen. Das hat sich nicht geändert.
Weltweit werden jährlich etwa eine Milliarde Tiere für Leder getötet. Die Lebensbedingungen vieler dieser Tiere — insbesondere in der industriellen Tierhaltung — sind aus unserer Sicht nicht vertretbar.
Wir wissen, dass dies unser stärkster Bias ist. Aber auch der klarste.
Kein alternatives Material erfordert den Tod eines Tieres. Das ist für uns entscheidend.
Also: Was ist besser?
Hier ist unsere ehrliche Antwort — trotz unserer Perspektive:
Für die Umwelt — veganes Leder, besonders pflanzenbasiertes, ist in fast allen messbaren Bereichen besser.
Für den Tierschutz — veganes Leder ist eindeutig überlegen.
Für die Haltbarkeit — sie hängt von Qualität und Verarbeitung ab, nicht von der Kategorie.
Für die Zukunft — pflanzenbasierte Innovation entwickelt sich schneller, als viele denken.
Wir stellen unsere Schuhe aus diesen Materialien her — in Portugal, von erfahrenen Handwerkerinnen und Handwerkern. Weil wir glauben, dass deine Entscheidungen zählen.
Wenn du tiefer einsteigen möchtest
Unsere Materialseite erklärt alle verwendeten Materialien im Detail. Und wenn du verstehen willst, wie sich der Preis zusammensetzt — dieser Artikel zeigt es dir transparent.
About NAE Vegan Shoes
Wir stellen seit 2008 vegane Schuhe im Norden Portugals her. Alles ist cruelty-free, handgefertigt und basiert auf innovativen Materialien ohne Tierbestandteile. Wir sind nicht neutral. Aber wir sind ehrlich.